Digitaler EUHA-Kongress 2020

EUHA digital

EUHA digital ist ein fachwissenschaftliches Vortragsprogramm, das es in sich hat! Die Redner kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen der Medizin, Wissenschaft und Industrie und präsentieren sich als Teil einer Community, die den Weg für die Zukunft der Hörakustik ebnet. Nutzen Sie dieses Format für Ihre ganz persönliche Fortbildung!

© EUHA

Prof. Dr. Dr. Birger Kollmeier
Oldenburg (Deutschland)

„Hören für Alle: Von der empirischen Hörforschung zur modernen Präzisions-Audiologie“

Das Verstehen von Sprache ist die Grundlage unserer Kultur. Schon eine beginnende Schwerhörigkeit verringert das Sprachverstehen im Störschall, mit zunehmendem Hörverlust treten überschwellige Verzerrungsdefizite („Fehlhörigkeit“) und der Verlust von Details der „inneren Abbildung“ der äußeren akustischen Szene auf. Wie kann man die wichtigsten Faktoren der Hörstörung effizient erfassen und welche Möglichkeiten haben wir zum Ausgleich einer beginnenden, leichten oder massiven Hörstörung?

Der Vortrag gibt einen Einblick in die laufende Forschung und Glanzpunkte des Exzellenzclusters „Hearing4All“. So wird der Bogen von den biophysikalischen Grundlagen des gestörten Hörvorgangs bis zur klinisch-audiologischen Diagnostik und Therapie bis hin zu Hör-Assistenz-Systemen im täglichen Leben gespannt.

Ein Schwerpunkt liegt auf dem Wechselspiel zwischen Hörexperimenten und Hörtheorie, die uns mit Methoden des maschinellen Lernens dabei hilft, eine Präzisionsdiagnostik zu erreichen und den Gewinn an Sprachverstehen durch eine Hörsystemversorgung oder ein Hörimplantat genau vorherzusagen. Zukünftige Entwicklungen zielen auf eine präzise, individualisierte Versorgung und Rehabilitation mit Hörhilfen auf der Basis einer exakten Vorhersage des erzielbaren Hörgewinns durch Hörhilfen ab.

Achin Bhowmik, Ph.D., & Dave Fabry, Ph.D.
Eden Prairie (USA)

„The Speed of Innovation“

Die kontinuierliche Entwicklung der Hörgeräteindustrie könnte zum bisher besten Jahrzehnt für unseren Berufsstand führen. Es steht außer Frage, dass aufkommende Technologien wie integrierte Sensoren und künstliche Intelligenz die Hörgesundheit verändern. 

Der Vortrag „The Speed of Innovation“ gibt einen aufschlussreichen Blick auf das kommende Jahrzehnt für die Branche. Dabei wird es um die Zukunft von Technologie, Strategie und Service in der dynamischen Hörgesundheitsindustrie gehen und wie diese neuen Innovationen im heutigen dynamischen Markt genutzt werden können.

Dr. Jérôme Servais
Mannheim (Deutschland)

„Die Vernetzung von Akustiker und Klinik“

Die technischen Hörlösungen wurden im letzten Jahrzehnt zunehmend komplexer und fortschrittlicher. Unsere Kunden suchen nach einer Gesamtlösung und nicht nach einer Teilbehandlung durch verschiedene Akteure. Die Überschneidungsfläche zwischen dem Gesundheitshandwerk und dem klinischen Ingenieur prägt sich klar heraus. Als leitender Oberarzt des Mannheimer Hörzentrums am Medizinischen Universitätsklinikum Mannheim (kurz UMM) wurde in den letzten sieben Jahren die Zusammenarbeit zwischen dem Hörakustiker und uns deutlich im Hinblick auf die Bedürfnisse unserer Kunden optimiert. 

Im weiteren Schritt favorisieren wir zur Sicherung der Qualität eine quantifizierbare Vernetzung untereinander. Damit unsere Patienten durch den Hörakustiker wohnortsnah weiterbetreut werden können, muss eine Lösung zur Abrechnung der geleisteten Dienstleistung noch errungen werden. Der Vortrag wird die Erfahrung der letzten Jahre der Cochlea-Implantat-Versorgung in Kooperation zwischen dem Hörakustiker und der HNO-Klinik beschreiben sowie die Chancen der weiteren Vernetzung darstellen. Offen bleiben bisher noch die Möglichkeiten der Abrechnung der CI-Nachsorgedienstleistung durch den Hörakustiker.

Dr. Florian Schmidt
Lübeck (Deutschland)

„Abhängigkeit des Sprachverstehens vom elektrischen Stimulationsniveau und der Veränderung der Impedanzen der Elektroden im ersten Jahr der Nachsorge: Bekanntes und Neues“

Hörakustiker werden zunehmend in das Fitting von CI-Prozessoren eingebunden, speziell, wenn sie die Weiterbildung zum CI-Akustiker absolviert haben. Eine Herausforderung stellt dabei für sie die Einstellung der elektrischen Stimulationsniveaus der T- und C-Level im ersten Nutzungsjahr dar. Regelmäßige Nachjustierungen sind nötig, um Fortschritte beim Sprachverstehen zu gewährleisten. Aus Studien ist bekannt, dass im Verlauf T- und C-Level zunächst ansteigen und sich erst nach ein bis drei Monaten stabilisieren. Auch das Sprachverstehen nimmt zu bis zu einer Sättigung von 80 %.

Die meisten Studien beschränken sich auf Messungen in Monatsabständen. Schwankungen in kleineren Zeiträumen werden nicht erfasst, die von Patienten im Alltag aber durchaus wahrgenommen werden können. In der folgenden Studie wurde die zeitliche Auflösung solch erhobener Daten mittels der Moving-Average-Methode nachträglich erhöht. Anschließend wurden die Daten nach Zusammenhängen untersucht. Für den Verlauf des Sprachverstehens fanden wir drei Phasen:

  1. Ein impedanzgetriebener Anstieg auf 60 % in den ersten zwei Monaten nach Aktivierung.
  2. Eine vom T-Level geprägte, oszillierende Verbesserung um 20 % in den darauffolgenden zehn bis 15 Monaten.
  3. Eine Sättigung bei 80 % Sprachverstehen nach 1 ½ Jahren.

Dr. habil. Tobias Weißgerber
Frankfurt am Main (Deutschland)

„Einfluss der Störgeräuschsituation auf das Sprachverstehen und die Höranstrengung bei Nutzern von Hörimplantaten“

Das Sprachverstehen in komplexen Hörsituationen mit mehreren Störgeräuschquellen und Nachhall stellt eine besondere Schwierigkeit für Nutzer von Cochlea-Implantaten (CI) dar. Zusätzlich leiden CI-Träger häufig unter Erschöpfung als Folge einer erhöhten Höranstrengung.

Das Ziel dieser Studie war, das Sprachverstehen und gleichzeitig die Höranstrengung von CI-Nutzern in komplexen Störgeräuschen und im Nachhall zu untersuchen.

Die Sprachverständlichkeitsschwelle (SVS) im Störgeräusch wurde im Freifeld und im Nachhall bestimmt. Zur gleichzeitigen Prüfung der subjektiv empfundenen Höranstrengung wurde eine mit dem Oldenburger Satztest verknüpfte Variante des ACALES-Verfahrens verwendet. An der Studie nahmen CI-Nutzer sowie eine Kontrollgruppe von Normalhörenden (NH) teil.

Die SVS im Freifeld (modulierte Störgeräuschquellen) betrug in der NH-Gruppe 20,2 dB SNR. Im Nachhall verschlechterte sich die SVS um 6 dB. In ersten Messungen mit bilateralen CI-Nutzern wurde im Freifeld eine SVS von 4,7 dB SNR und im Nachhall eine SVS von 0,9 dB SNR erreicht. Es zeigte sich ein signifikanter Einfluss der Störgeräuschkondition auf die Höranstrengung. Bei 0 dB SNR war die Höranstrengung in der CI-Gruppe signifikant höher als in der NH-Gruppe.

Sascha Haag M. A.
Erlangen (Deutschland)

„Hearable versus Medizinprodukt – Konkurrenz oder Chance?“

Kabellose Einsteckkopfhörer, sogenannte Earbuds, sind zweifelsohne auf dem Vormarsch. Dank Bluetooth und verbesserter Akkutechnologien haben kabelgebundene Systeme zunehmend ausgedient. Inzwischen bieten einige namhafte Unterhaltungselektronik-Hersteller Earbuds bzw. Hearables, deren Funktionen dem Anschein nach Hörgerätefunktionen immer näher kommen. So können sie beispielsweise über einen „Transparenz“-Modus verfügen, der das Hören der Umgebung während des Tragens unterstützt.

In diesem Vortrag informieren wir Sie über Trends in der Unterhaltungselektronik und ziehen einen Vergleich zu den neuesten Hörsystemtechnologien. Dabei werden die Funktionen genauer betrachtet, die Hearables mit Umgebungsverstärkung einsetzen. Messungen zeigen dabei den Unterschied zu audiologischen Medizinprodukten und zur herausragenden Performance hochentwickelter Hörgerätetechnik.

Prof. Dr. Dr. Ulrich Hoppe
Erlangen (Deutschland)

„Einfluss der Anpasspraxis auf Zufriedenheit, Sicherheitsgefühl und Selbstbewusstsein bei Hörsystemträgern“

Die Parametrisierung des Erfolges einer Hörsystemversorgung muss multidimensional erfolgen. Die Verbesserung des Sprachverstehens kann durch Hörfragebögen situationsabhängig erfragt werden. Andere Zielgrößen sind z. B. die Veränderung des Sicherheitsgefühls und des Selbstbewusstseins. Gegenstand der Studie war die Frage, inwieweit diese Aspekte des Benefits durch die Anpasspraxis und die Dauer der Anpassphase beeinflusst werden.

Hierzu wurden im Rahmen einer Marktanalyse (Hearing Instrument Usage Monitor, HIM), bei der 195 Hörakustiker-Fachgeschäfte beteiligt waren, insgesamt n = 554 Kunden befragt, bei denen eine Hörsystemanpassung durchgeführt wurde.

Im Mittel wurden pro Kunden 2,1 ± 0,9 Hörsysteme vergleichend angepasst. Dies erfolgte im Mittel über 4,2 ± 1,5 Anpasssitzungen über 5,7 Wochen. 95 % der Befragten fühlten sich besser mit den Hörsystemen, 88 % fühlten sich mit den Hörsystemen selbstbewusster im Alltag, und 91 % gaben an, dass sie ihre Hörsysteme vermissen würden. Alle Erfolgsparameter hatten ein Optimum bei vier bis fünf Sitzungen. Bezüglich der Erprobungsdauer lag das Optimum bei drei bis sechs Wochen.

Schlussfolgerung: Für eine erfolgreiche Hörsystemversorgung sind vier bis fünf Sitzungen über eine Dauer von mehr als drei Wochen geeignet.

Dr. Hendrik Husstedt
Lübeck (Deutschland)

„Lärmschutzotoplastiken mit Hörgeräten als Medizinprodukt und Persönliche Schutzausrüstung (PSA)“

Menschen mit Hörverlust erleben eine besondere Herausforderung in Lärmbereichen. Zum einen muss das Gehör vor der Schalleinwirkung geschützt und zum anderen muss der Hörverlust für den Erhalt der akustischen Orientierung und Kommunikationsfähigkeit kompensiert werden.

Speziell zugelassene Kombinationen aus Lärmschutzotoplastik und Hörgerät können hier Abhilfe schaffen. Diese Geräte können so eingestellt werden, dass leise Signale verstärkt und laute Signale abgeschwächt werden.

Da der Zulassungsprozess aufwendig ist, steht momentan jedoch nur eine beschränkte Anzahl an Geräten zur Verfügung. Darüber hinaus verzögert der Zulassungsprozess die Markteinführung, sodass neue Gerätegenerationen erst später in Lärmbereichen eingesetzt werden können.

Aus diesem Grund soll eine weitere Zulassungsmöglichkeit geschaffen werden, bei der die Lärmschutzotoplastik getrennt vom Hörgerät geprüft wird. Dadurch soll der Zulassungsprozess vereinfacht und flexibler gestaltet werden. Zusätzlich dazu erfolgt aber auch eine genauere Prüfung des Hörgeräts und der Einstellmöglichkeiten der Anpasssoftware. In diesem Beitrag werden die Rahmenbedingungen des neuen Zulassungsverfahrens erläutert, und es werden Ergebnisse einer Studie gezeigt, welche die Anwendbarkeit in der Praxis demonstriert.

Erich Bayer
München (Deutschland)

„Smarte Otoplastiken für smarte Hörsysteme“

Unsere Hörsysteme werden immer smarter und eröffnen uns als Hörakustiker/Audiologen Möglichkeiten, von denen wir vor ein paar Jahren noch nicht geträumt haben. Was nutzen uns aber die technischen Features der Industrie, wenn diese bei unseren Kunden nur bedingt ihre Wirkung erbringen können? Dies gelingt bekanntlich nur mit Individual-Otoplastik, dem individuellsten Element jeder Hörsystemversorgung.

Ebenso wie die technologischen Lösungsansätze der Hörgeräteindustrie hat sich auch die individuelle Welt der Otoplastik mit ihren audiologischen Auswirkungen enorm gewandelt. Realität ist, dass die Zeiten der Abdichtungszonen inzwischen für über 90 % unserer Kunden vorbei sind.

Gefordert sind materialunabhängige Otoplastiken, bei denen der Vollkontakt-Gehörgangszapfen und die Materialbedeckung der Tragus-Unterseite nicht mehr vorhanden sind. Zu ersetzen sind sie durch Individual-Otoplastiken, die einen minimalen Materialkontakt zur sich bewegenden Gehörgangswandung bieten, einen stabilen Sitz in Verbindung mit einem möglichst geringen Fremdkörperempfinden garantieren und trotzdem die benötigten audiologischen Anforderungen erfüllen.

Diese Forderungen an smarte Individual-Otoplastiken mit einem entsprechenden smarten Design werden in der Präsentation diskutiert und vorgestellt.

Hans-Christian Drechsler
Ballerup (Dänemark)

„Metriken zur Quantifizierung der Performanz von Hörsystemen in verschiedenen Hörumgebungen“

Das auditorische System nutzt Hörstrategien auf Ebenen des akustischen, peripheren und zentralen Nervensystems. Die Präsentation widmet sich in erster Linie der Entwicklung und Validierung von direktionalen Signalverarbeitungsstrategien. Hierbei wurden diverse Metriken genutzt, um den effektiven Nutzen unterschiedlicher direktionaler Signalverarbeitungsstrategien zu validieren bzw. spezifische Direktionalitätsmuster miteinander zu kombinieren. Ziel ist, eine bestmögliche Interaktion zwischen dem Hörsystem und dem auditiven Cortex bzw. natürlichen Hörstrategien zu erreichen und die Performanz von Hörsystemen in drei zuvor identifizierten Hauptkategorien zu quantifizieren.

  • Akustisch leicht komplexe Umgebungen, in denen das auditorische System vornehmlich akustische Hinweisreize nutzt. (1)
  • Akustisch mäßig komplexe Umgebungen, in denen Stör- und Nutzsignal räumlich getrennt sind und sich das auditorische System auf die beste Repräsentation des SNR-Verhältnisses fokussiert. (2)
  • Akustisch stark komplexe Umgebungen, in denen Stör- und Nutzsignal diffus verteilt und nicht räumlich getrennt sind. Hierbei nutzt das auditorische System diverse sensorische Modalitäten. (3)

Das Ziel der Forschung ist die Entwicklung von Signalverarbeitungsstrategien, die an die des auditorischen Systems angelehnt sind. Hörsystemträgern wird somit in den zuvor beschriebenen Hauptkategorien ein messbar erhöhter Hörkomfort, ein verbessertes Sprachverstehen und natürlicheres räumliches Hören ermöglicht. Des Weiteren widmet sich die Präsentation der Entwicklung eines völlig neuen Hörertyps, der die zuvor beschriebenen Signalverarbeitungsstrategien bestmöglich unterstützt.

(1) Inter-Subject Spectral Difference (Middelbrooks, 1999)
(2) Better Ear/Situational Awareness Index (Piechowiak et al., 2018)
(3) Directivity Index (Dittberner and Bentler, 2007)

Dipl.-Ing. Horst Warncke
Hamburg (Deutschland)

„Dem Gehirn beim Hören zusehen“

Selektives Hören beschreibt die Fähigkeit, aus einem Gemisch von Klängen die gewünschten Signale herauszuhören, ihnen zu folgen und gleichzeitig unerwünschte Klänge zu unterdrücken. Bisherige Theorien gingen davon aus, dass selektive Wahrnehmung durch Konzentration auf die gewünschten Klänge geschieht, so als würden diese mit einem Scheinwerfer hervorgehoben. Nach neuesten Untersuchungen (O’Sullivan et al., 2019) funktioniert die Selektion eher wie ein Filter, welcher alle Informationen auswertet, um dann das Gewünschte zu priorisieren. Damit benötigt das Gehirn möglichst viele Informationen, um den Filter zu „füttern“. Wie das Gehirn das selektive Hören umsetzt, kann durch hochauflösende, 64-kanalige EEG-Messungen erstmalig nachgewiesen werden. Für den Einsatz mit Hörsystemen wurde ein neues Verfahren entwickelt, um drei verschiedene Signale gleichzeitig nachzuweisen (Alickovic et al., 2019).

In einer Studie wurden Sprachsignale von zwei konkurrierenden Zielsprechern, von Störsprechern überdeckt, genutzt. Die Probanden sollten sich auf einen der Zielsprecher konzentrieren. Über die EEG-Messungen konnte nachgewiesen werden, ob Zielsprecher selektiv gehört und ob Störsprecher ignoriert werden können; somit kann auch der Nutzen von Hörsystemfeatures überprüft werden (Ng et al., 2019). Einen ähnlichen Ansatz zur Überprüfung selektiver Aufmerksamkeit bei Normalhörenden wird von Puvvada et al. (2017) unter Verwendung von der Magnetoenzephalographie (MEG) beschrieben. Über einen Helm können mit 160 Kanälen die MEG-Signale aufgezeichnet werden. Das Forschungszentrum Eriksholm prüft zurzeit den MEG-Einsatz bei Menschen mit Hörminderung.

Die aktuelle Theorie zum selektiven Hören, zu EEG- und MEG-Messungen und deren Einsatz mit Hörsystemen sollen im Vortrag erläutert werden. Es wird gezeigt, dass bestimmte Hörsystem-Features die selektive Aufmerksamkeit tatsächlich unterstützen können. Konkret sollen erste EEG-Studienergebnisse präsentiert werden.

Melanie Krüger, M.Sc.
Oldenburg (Deutschland)

„Was ist Höranstrengung und wie können wir diese in der täglichen Routine messen?“

In der zwischenmenschlichen Kommunikation ist Hören und Verstehen der Mitmenschen unerlässlich. In vielen alltäglichen Situationen überdecken jedoch Hintergrundgeräusche das Gesprochene, wodurch die Sprachverständlichkeit sinkt und die Anstrengung, Sprache in diesen Situationen trotzdem verstehen zu können, steigt. Die Messdimension „Höranstrengung“ kann sowohl mit objektiven (u. a. EEG und Pupillometrie) als auch mit subjektiven Messmethoden (Skalen und Fragebögen) erfasst werden.

Mithilfe der adaptiven kategorialen Höranstrengungsmethode ‚ACALES‘ kann die subjektiv wahrgenommene Höranstrengung ermittelt werden. Dafür wird Sprache in einem Hintergrundgeräusch präsentiert und anschließend durch den Nutzer auf einer Skala von „mühelos“ bis „extrem anstrengend“ bewertet, wie anstrengend es war, dem Sprecher zu folgen. Ziel ist es, den individuellen Höranstrengungsbereich des Nutzers zu ermitteln.

In diesem Vortag werden gängige Messmethoden zur Bestimmung der Höranstrengung vorgestellt und Erkenntnisse aus wissenschaftlichen Studien bei Verwendung der subjektiven Höranstrengungsskalierung präsentiert. Abschließend wird ein kurzer Überblick zu den Einsatzmöglichkeiten von Höranstrengungsmessungen im Fachgeschäft gegeben.

Christophe Lesimple
Bern (Schweiz)

„Bewertung eines Anpassungsprotokoll für Hörgeräte optimiert für aktive Musiker“

Die Anpassung von Hörgeräten für Musiker ist eine Herausforderung, denn es existiert kein universelles akustisches Modell für Musik. Individuelle Erwartungen können nicht im Voraus definiert werden, da die Kombination aus Musikinstrument und Stil mit Hörgerät sehr variable Hörbedingungen erzeugt. Wir vermuten, dass die Hörgeräteverstärkung unter aktiver Beteiligung des Musikers während des Anpassungsprozesses optimiert werden kann, um die Wahrnehmung von Musik zu verbessern.

Zwanzig aktive Musiker und Hörgeräteträger wurden rekrutiert, um das optimierte Musikprotokoll gegen das Standard-Musikprogramm zu evaluieren.

Das optimierte Protokoll basiert auf einem Trial-and-Error-Prozess mit aktiver Teilnahme des Musikers. Beide Musikprogramme verbessern die Diskriminationsschwellen von Tonhöhe, Dauer und Pegel gegenüber dem NAL-NL2 basierten Standardhörprogramm. Während die Unterschiede zwischen den beiden Musikprogrammen im Labortest nicht signifikant waren, wurde das optimierte Musikprogramm nach dem Feldtest dem Standardmusikprogramm vorgezogen.

Die Ergebnisse dieser Studie bestätigen die Notwendigkeit, dass Akustiker und Musiker eine gemeinsame Sprache verwenden müssen, um das von Signalverarbeitungssystemen gebotene technologische Potenzial zu optimieren.

Simon Müller M. Sc.
Stuttgart (Deutschland)

„Künstliche Intelligenz und deren unterschiedliche Anwendungen“

Der Begriff und die Verwendung von künstlicher Intelligenz (KI) haben in unserem Leben in vielfältigen Bereichen Einzug gehalten. Hierbei ist herauszustellen, dass der Überbegriff „KI“ weder auf die Wirkungsweise noch auf die Reichweite seiner Anwendung schließen lässt. So ergeben sich aus einzelnen Verfahren, wie zum Beispiel Big-Data-Anwendungen, neuronalen Netzwerken oder Machine-Learning-Algorithmen, ganz unterschiedliche Nutzungsbereiche und Interaktionen zwischen Mensch und Maschine. Für ein weiterführendes Verständnis ist es notwendig, neben den Vorteilen auch die Grenzen unterschiedlicher KI-Anwendungen zu verstehen.

Ohne ausreichend Transparenz ist es für die Anwender oft schwierig zu entscheiden, welchen Nutzen eine intelligente Technologie wirklich mit sich bringt.

Der Vortrag wird sich mit unterschiedlichen KI-Anwendungen aus unserem Alltag beziehungsweise aus deren Entwicklung beschäftigen. Des Weiteren demonstriert er die unterschiedliche Wahrnehmungsgabe von Mensch und Maschine. Im Bereich der Hörakustik wird am Beispiel einer Klangoptimierung durch ein Machine-Learning-Verfahren der Nutzen im Alltag veranschaulicht. Ziel des Vortrags ist es, das Verständnis für unterschiedliche KI-Technologien zu schärfen, um deren Unterscheidung zu erleichtern.

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